Selbständig in die Schweiz auswandern: Als ich anfing, mein Projekt zu planen, merkte ich schnell, dass drei Fragen zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Darf ich überhaupt dort wohnen und arbeiten? Welche Form hat mein Unternehmen? Und wie bin ich abgesichert? Wer sie in der falschen Reihenfolge angeht, verliert Zeit. Diese Seite ordnet die Schritte, ohne meinen Einzelfall zu beurteilen.
Mein erster Schritt: die Nationalität klären
Alles beginnt mit der Frage, woher ich komme. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) kennt zwei Regime: eines für Staatsangehörige der EU und der EFTA, eines für Angehörige von Drittstaaten. Als Deutsche oder Österreicher falle ich in die erste Gruppe. Das erleichtert vieles, ersetzt aber keine Prüfung durch den Kanton (die Schweizer Bundesländer, die für Aufenthalt und Gewerbe zuständig sind).
Die Bewilligung für eine selbständige Tätigkeit ist kein Automatismus. Die Behörden wollen in der Regel sehen, dass das Vorhaben real ist: ein Geschäftsmodell, erste Kunden oder Aufträge, eine Anmeldung bei den zuständigen Stellen. Was genau verlangt wird, entscheidet der Kanton. Ein Spezialist schaut sich meinen Fall an, wenn ich die Anfrage unten auf der Seite stelle.
Welche Bewilligung kommt in Frage?
Das SEM unterscheidet Bewilligungen von kurzer Dauer (unter einem Jahr), jährliche (befristete) und Niederlassungsbewilligungen (unbefristet). Für EU/EFTA-Staatsangehörige heißen die Titel L (Kurzaufenthalt), B (Aufenthalt) und C (Niederlassung). Der Titel G betrifft Grenzgänger und gehört nicht zu meinem Umzugsprojekt.
Die Details zu meinem Weg finden sich hier:
- Die L-Bewilligung für einen befristeten Start,
- Die B-Bewilligung für einen längeren Aufenthalt,
- Aufenthalt als Selbständige oder Selbständiger mit den Besonderheiten meiner Situation,
- Von der B zur C-Bewilligung, wenn ich später dauerhaft bleiben möchte.
Der Entscheidungsbaum zeigt grob, wie sich die Wege verzweigen. Er ist eine Orientierung, kein Bescheid.
Die Firma: erst Idee, dann Form
Viele Gründer fragen zuerst nach der Rechtsform. Ich habe gelernt, zuerst das Geschäft zu beschreiben: Was verkaufe ich, an wen, von wo aus? Erst dann lässt sich entscheiden, ob eine Einzelfirma reicht oder eine Gesellschaft sinnvoller ist. Die steuerlichen und rechtlichen Folgen unterscheiden sich je nach Kanton und Tätigkeit, deshalb gebe ich hier keine Empfehlung ab.
Praktisch heißt das für mich:
- Geschäftsidee und Zielkunden schriftlich festhalten,
- den Standort grob wählen, denn Kanton und Gemeinde (die Ortsverwaltung) setzen den Rahmen,
- Nachweise über Qualifikation und erste Aufträge sammeln,
- einen Schweizer Geschäftssitz oder zumindest eine Zustelladresse klären.
Wer den Standort noch nicht kennt, kann im Städtevergleich Orientierung suchen.
Versicherung: was ich vor dem Start bedenke
Die Krankenversicherung ist in der Schweiz Pflicht und in der Regel kurz nach der Anmeldung abzuschließen. Für Selbständige kommt hinzu, dass es keinen Arbeitgeber gibt, der Beiträge zu Unfall- oder Vorsorgeleistungen organisiert. Ich muss mir also selbst klar machen, welche Absicherung ich brauche. Welche Lösung passt, hängt von meiner Tätigkeit, meinem Alter und meiner Familie ab. Das ist ein Fall für eine individuelle Beratung und nicht für eine Faustregel. Einen ersten Überblick über Kosten und Alltagsthemen finde ich unter Was mich der Umzug in die Schweiz kostet und in der Checkliste für die ersten drei Monate.
Die Reihenfolge, die ich mir vorgenommen habe
Ich arbeite von hinten nach vorn, so wie ein Bergwanderer den Gipfel zuerst anpeilt:
- Ziel und Geschäftsmodell festlegen.
- Bewilligungsweg klären, bevor ich Wohnung oder Büro verbindlich miete.
- Wohnort und Wohnsituation planen, am besten mit dem Umzugskalender.
- Firma anmelden, sobald die Voraussetzungen klar sind.
- Versicherungen und Bankkonto organisieren.
- Bewilligung später verlängern oder auf die nächste Stufe heben, siehe Bewilligung verlängern.
Welche Bewilligung zu meinem Fall passen könnte, zeigt auch das Werkzeug zur Bewilligung.
Typische Fehler, die ich vermeiden will
- Den Mietvertrag unterschreiben, bevor die Aufenthaltsfrage geklärt ist.
- Annehmen, dass eine deutsche oder österreichische Firma automatisch in der Schweiz arbeiten darf.
- Versicherungen als Nebensache behandeln.
- Auf Zusagen im Netz vertrauen, statt bei der kantonalen Behörde nachzufragen.
Mehr dazu in Die häufigsten Fehler beim Umzug in die Schweiz. Wer das Ganze gern begleiten lässt, findet Hintergründe unter Relocation-Service Schweiz und Immigrationsunterstützung.
Häufige Fragen
Kann ich als Deutscher ohne Arbeitsvertrag in die Schweiz ziehen und mich selbständig machen?
Grundsätzlich gilt für EU/EFTA-Staatsangehörige ein eigener Rechtsrahmen, der auch selbständige Tätigkeit kennt. Ob und wie ein Kanton eine Bewilligung erteilt, hängt aber vom Einzelfall und vom Nachweis ab, dass die Tätigkeit tragfähig ist. Die Entscheidung liegt bei den Behörden.
Welche Bewilligung brauche ich, wenn ich weniger als ein Jahr bleibe?
Das SEM kennt Bewilligungen von kurzer Dauer unter einem Jahr. Für EU/EFTA-Angehörige heißt der Titel L. Ob er für meine Tätigkeit passt, prüft der Kanton.
Gilt für Österreicher etwas anderes als für Deutsche?
Beide gehören zur EU und fallen unter dasselbe Regime. Unterschiede entstehen eher durch die persönliche Lage, etwa Familie, Branche oder Standort.
Muss ich zuerst die Firma gründen oder zuerst umziehen?
Das hängt vom Kanton und von der Tätigkeit ab. Ich kläre zuerst den Aufenthaltsweg, weil davon abhängt, wie ich die Firma anmelden kann. Ein Spezialist kann die Reihenfolge für meinen Fall prüfen.
Was ändert sich, wenn ich nicht aus der EU komme?
Dann gilt das Regime für Drittstaaten mit strengeren Voraussetzungen. Die Einzelheiten stehen beim SEM, eine pauschale Aussage wäre unseriös. Hilfreich ist die Seite zu Entsendung von Drittstaatsangehörigen.
Wie plane ich meine Unterlagen von Deutschland oder Österreich aus?
Ich sammle früh Zeugnisse, Nachweise zur Tätigkeit, Versicherungsbelege und Geschäftsunterlagen. Die Checklisten helfen mir, nichts zu vergessen, und die Voraussetzungen zeigen, worauf es ankommt.
