Als ich anfing, mich mit dem Auswandern in die Schweiz zu beschäftigen, hatte ich vor allem eine Frage: Was muss ich eigentlich mitbringen? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Welche Voraussetzungen für ein Leben in der Schweiz gelten, hängt vor allem von meiner Staatsangehörigkeit ab, dann vom Grund meines Umzugs und von der Dauer, die ich plane.
Diese Seite ordnet das Thema so, wie ich es mir selbst gewünscht hätte: erst die Grundregel, dann die Fragen, die ich mir stellen sollte, dann die Reihenfolge der Schritte. Einzelne Fristen und Bewilligungsdauern nenne ich bewusst nicht, denn sie hängen vom Einzelfall ab und werden von den Behörden festgelegt.
Die Grundregel: zwei Regime
Die Schweiz unterscheidet bei der Zulassung zwei Gruppen. Das steht so auf den Seiten des Staatssekretariats für Migration (SEM) und gilt als Ausgangspunkt für alles Weitere (Quelle: SEM).
- EU/EFTA: Wer die Staatsangehörigkeit eines EU- oder EFTA-Staates besitzt, fällt unter das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU (FZA).
- Drittstaaten: Wer aus einem Land außerhalb von EU und EFTA kommt, fällt unter das Ausländer- und Integrationsrecht mit strengeren Zulassungsregeln.
Ein Drittstaat ist in diesem Zusammenhang schlicht jedes Land, das weder zur EU noch zur EFTA gehört. Die EFTA umfasst die Länder, die über das Freizügigkeitsregime ähnlich behandelt werden wie EU-Staaten.
Als Deutsche oder Deutscher beziehungsweise als Österreicherin oder Österreicher gehöre ich zur ersten Gruppe. Das macht vieles einfacher, aber nicht alles: Auch dann brauche ich eine Aufenthaltsbewilligung, und sie hängt davon ab, was ich in der Schweiz vorhabe. Ein Überblick dazu steht in meinem Beitrag Welche Aufenthaltsbewilligung brauche ich?.
Die vier Fragen, die ich mir zuerst stelle
Bevor ich irgendeinen Schritt gehe, beantworte ich für mich vier Fragen. Sie entscheiden darüber, welche Voraussetzungen für mich überhaupt relevant sind.
1. Welche Staatsangehörigkeit habe ich?
Das ist die Weiche. Ob EU/EFTA oder Drittstaat, bestimmt, wie viel Spielraum ich habe und wie viel Papier ich vorbereiten muss. Bei mehreren Staatsangehörigkeiten klärt ein Spezialist, welche im Verfahren zählt.
2. Was ist mein Grund für den Umzug?
Typische Gründe sind Arbeit, Familie, Studium oder eine selbständige Tätigkeit. Jeder Grund hat eigene Nachweise: einen Arbeitsvertrag, Belege über die familiäre Beziehung, eine Bestätigung der Hochschule oder Unterlagen zur geplanten Selbständigkeit. Wer ohne Erwerbstätigkeit kommen möchte, muss gegenüber den Behörden in der Regel zeigen, dass er sich und seine Familie selbst finanzieren kann.
3. Wie lange will ich bleiben?
Ein befristeter Einsatz und ein dauerhafter Umzug führen oft zu verschiedenen Bewilligungsarten. Die gängigen Bezeichnungen sind L (Kurzaufenthalt), B (Aufenthalt) und C (Niederlassung). Wie lange sie jeweils gelten und nach welcher Zeit ein Wechsel möglich ist, legen die Behörden fest; belastbare Zahlen finden Sie beim SEM und beim Migrationsamt des Kantons.
4. Reise ich allein oder mit Familie?
Mit Partner und Kindern kommen weitere Fragen dazu: Familiennachzug, Schulplätze, Betreuung, Krankenversicherung für alle. Auch hier unterscheiden sich EU/EFTA und Drittstaaten.
Der Baum zeigt nur eine Richtung, keine Zusage. Ob eine Bewilligung erteilt wird, entscheiden allein die Behörden.
Was für Drittstaaten zusätzlich gilt
Für Drittstaaten sind die Hürden höher. Die detaillierten Bedingungen, etwa zur Qualifikation oder zur Frage, ob eine Stelle auch mit Personal aus der Schweiz oder dem EU/EFTA-Raum besetzt werden könnte, lese ich nicht aus zweiter Hand, sondern prüfe sie auf der Seite des SEM zur Zulassung von Arbeitskräften. Für manche Kategorien gibt es außerdem Kontingente, also jährlich begrenzte Mengen an Bewilligungen. Wie viele es sind, steht jedes Jahr neu fest.
Für mich heißt das: Wer aus einem Drittstaat kommt, plant mehr Vorlauf ein und beginnt das Gespräch mit einem möglichen Arbeitgeber oder einem Fachbüro früher.
Was ich unabhängig vom Regime vorbereite
Auch wenn die Bewilligung der zentrale Punkt ist, gibt es Voraussetzungen im Alltag, ohne die ein Umzug ins Stocken gerät. Sie lassen sich größtenteils aus dem Ausland vorbereiten.
- Eine Wohnung oder zumindest eine Adresse, denn ohne Wohnsitz kann ich mich bei der Gemeinde (der örtlichen Verwaltung) nicht anmelden.
- Einen Nachweis meiner Einkünfte, etwa Arbeitsvertrag oder Nachweise über Vermögen.
- Die Krankenversicherung: Wer in der Schweiz wohnt, muss sich in der Regel bei einer Krankenkasse für die Grundversicherung (KVG) versichern lassen.
- Ein gültiges Ausweisdokument für mich und jedes Familienmitglied.
- Die Abmeldung im Herkunftsland, bei Deutschland siehe Abmeldung in Deutschland.
- Eine Übersicht über Rente, Führerschein und Versicherungen, zum Beispiel meine deutsche Rente in der Schweiz und mein deutscher Führerschein.
Wer aus Österreich kommt, findet die passenden Hinweise unter Als Österreicherin oder Österreicher in die Schweiz.
Die Reihenfolge, die ich wähle
Die Reihenfolge ist mindestens so wichtig wie die einzelnen Unterlagen. So gehe ich vor:
Der genaue Ablauf variiert je nach Kanton und Gemeinde. Das Migrationsamt (die kantonale Behörde für Aufenthaltsfragen) gibt Auskunft, welche Unterlagen es im Einzelfall verlangt. Wenn ich sehr früh weiß, wohin ich ziehe, erleichtert das jeden weiteren Schritt, und meine Stadt in der Schweiz hilft bei dieser Entscheidung.
Meine Checkliste vor dem ersten Schritt
- Staatsangehörigkeit(en) klären und Ausweise prüfen
- Grund des Umzugs und geplante Dauer festhalten
- Arbeitsvertrag, Zusage oder Konzept für die Selbständigkeit sammeln
- Bei Familie: Unterlagen zu Ehe, Partnerschaft und Kindern zusammenstellen
- Nachweise zu Einkommen oder Vermögen bereithalten
- Wohnungssuche starten und Unterlagen für die Bewerbung vorbereiten
- Beim Kanton nachlesen, welches Migrationsamt zuständig sein wird
- Fragen für ein Fachbüro notieren, das meinen Fall prüft
Weitere Listen sammle ich unter meine Checklisten und im Zeitplan meines Umzugs.
Wo Hilfe sinnvoll ist
Ich kann vieles selbst vorbereiten. Bei Bewilligungen, Familiennachzug oder einer Entsendung durch den Arbeitgeber (siehe Entsendung in die Schweiz) lohnt es sich, den eigenen Fall von Fachleuten prüfen zu lassen. Über die Anfrage am Ende der Seite kann ich mich mit einer Relocation-Firma in Verbindung setzen lassen, die zu meinem Bedarf passt. Mehr dazu unter Relocation-Service Schweiz.
Häufige Fragen
Welche Voraussetzungen muss ich zum Auswandern in die Schweiz erfüllen?
Das hängt vor allem von meiner Staatsangehörigkeit, dem Grund meines Umzugs und der geplanten Dauer ab. Es gibt zwei Regime: EU/EFTA und Drittstaaten. Welche Bewilligung ich brauche, entscheidet am Ende die zuständige Behörde.
Brauche ich als Deutsche oder Deutscher eine Bewilligung?
Ja. Auch mit EU-Staatsangehörigkeit brauche ich eine Aufenthaltsbewilligung, wenn ich in der Schweiz wohnen will. Die Voraussetzungen sind aber einfacher als für Drittstaaten.
Gilt für Österreicher etwas anderes als für Deutsche?
Beide gehören zur EU und fallen unter dasselbe Freizügigkeitsregime. Unterschiede entstehen eher bei Unterlagen und Abläufen im Herkunftsland.
Was bedeutet EU/EFTA?
Gemeint sind die Staaten der Europäischen Union und der Europäischen Freihandelsassoziation. Ihre Staatsangehörigen werden bei der Zulassung nach dem Freizügigkeitsabkommen behandelt.
Was ist ein Drittstaat?
Ein Drittstaat ist ein Land, das weder zur EU noch zur EFTA gehört. Für Staatsangehörige solcher Länder gelten strengere Zulassungsregeln.
Brauche ich vor dem Umzug einen Arbeitsvertrag?
Für die meisten Erwerbstätigen ist ein Arbeitsvertrag oder eine Zusage der übliche Ausgangspunkt. Wer ohne Erwerbstätigkeit kommt, muss in der Regel nachweisen, dass er sich selbst finanzieren kann.
Kann ich erst einreisen und dann eine Stelle suchen?
Das hängt von meiner Staatsangehörigkeit und vom Zweck des Aufenthalts ab. Die Behörde sagt, was im konkreten Fall möglich ist. Ideen für die Jobsuche finden sich unter Job in der Schweiz finden.
Was heißt Kontingent?
Ein Kontingent ist eine begrenzte Menge an Bewilligungen, die für bestimmte Kategorien verfügbar ist. Wie groß sie ist, ändert sich und wird von den Behörden festgelegt.
Welche Bewilligungsarten gibt es?
Üblich sind L, B und C, also Kurzaufenthalt, Aufenthalt und Niederlassung. Laufzeiten und Bedingungen erfahre ich beim SEM oder beim kantonalen Migrationsamt.
Wie lange dauert das Verfahren?
Eine allgemeingültige Dauer gibt es nicht. Sie hängt von Kanton, Bewilligungsart und Vollständigkeit der Unterlagen ab.
Kann mein Partner oder meine Partnerin mitkommen?
Familienangehörige können unter bestimmten Bedingungen nachziehen. Welche Nachweise nötig sind, unterscheidet sich je nach Regime.
Was ist mit meinen Kindern?
Kinder brauchen ebenfalls eine Bewilligung und einen Schul- oder Betreuungsplatz. Ich kläre früh, welche Schule zuständig ist, und prüfe meine Schulwahl.
Muss ich mich in Deutschland abmelden?
Wer seinen Wohnsitz verlegt, meldet sich im Herkunftsland ab. Wie das abläuft, beschreibe ich unter Abmeldung in Deutschland.
Brauche ich eine Krankenversicherung?
Wer in der Schweiz wohnt, muss in der Regel eine Grundversicherung abschließen. Einzelheiten dazu hängen von meinem Wohnort und meiner Lage ab.
Brauche ich vorher eine Wohnung?
Für die Anmeldung bei der Gemeinde brauche ich eine Adresse. Deshalb beginne ich mit der Wohnungssuche früh, notfalls mit Begleitung durch ein Fachbüro.
Muss ich Geld nachweisen?
Je nach Zweck des Aufenthalts können die Behörden Nachweise über Einkommen oder Vermögen verlangen. Welche, sagt das Migrationsamt.
Kann ich selbständig arbeiten?
Eine selbständige Tätigkeit ist möglich, aber an eigene Nachweise gebunden. Ein Spezialist prüft, was in meinem Fall gilt.
Darf ich zum Studium kommen?
Ja, wenn die Zulassung zur Hochschule und die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. Die Regeln unterscheiden sich je nach Herkunft.
Muss ich Deutsch können?
Für die Zulassung als EU-Staatsangehöriger gelten keine allgemeinen Sprachvorgaben. Im Alltag hilft die Sprache der Region, und die ist je nach Kanton verschieden.
Kann ich mein Auto und meinen Führerschein mitnehmen?
Dafür gelten eigene Regeln. Ich beschreibe sie im Beitrag über meinen deutschen Führerschein.
Was passiert mit meiner Rente?
Die Rente ist ein eigenes Thema mit mehreren Beteiligten. Eine Übersicht steht unter meine deutsche Rente in der Schweiz.
Wo finde ich verlässliche Informationen?
Auf den Seiten des Staatssekretariats für Migration und beim Migrationsamt meines künftigen Kantons. Begriffe erkläre ich im Glossar.
Kann mir jemand beim ganzen Ablauf helfen?
Ja, über die Anfrage kann ich mich mit einer passenden Relocation-Firma in Verbindung setzen lassen. Die Entscheidung über meine Bewilligung bleibt bei den Behörden.
