Wer aus Deutschland oder Österreich kommt, kennt eine Krankenversicherung, bei der Beitrag und Leistungen weitgehend feststehen. In der Schweiz ist das anders: Die Grundversicherung ist für alle gleich, aber ich entscheide selbst, wie hoch meine jährliche Kostenbeteiligung ausfällt und über welchen Weg ich zum Arzt gehe. Genau darum geht es bei der Franchise und den Versicherungsmodellen. Wenn Sie die Grundlagen zur Pflicht schon kennen, finden Sie sie unter Grundversicherung.
Was die Franchise eigentlich ist
Die Franchise ist der Betrag, den ich pro Kalenderjahr zuerst selbst bezahle, bevor die Krankenkasse Kosten übernimmt. Davon getrennt ist der Selbstbehalt: Auch nach Ausschöpfen der Franchise trage ich einen prozentualen Anteil der Behandlungskosten weiter, bis eine gesetzliche Obergrenze erreicht ist. Beides zusammen nennt man Kostenbeteiligung.
Die ordentliche Franchise beträgt für Erwachsene CHF 300 pro Jahr (BAG). Für Kinder entfällt die ordentliche Franchise. Wer mehr Risiko selbst tragen will, wählt eine höhere Wahlfranchise und erhält dafür einen Rabatt auf die Monatsprämie.
Die Stufen für Erwachsene
Neben der ordentlichen Franchise gibt es für Erwachsene fünf Wahlfranchisen: CHF 500, CHF 1'000, CHF 1'500, CHF 2'000 und CHF 2'500 (BAG). Je höher die Stufe, desto größer der Prämienrabatt, aber desto mehr zahle ich bei einer Behandlung zunächst aus eigener Tasche.
Warum ich nicht einfach die niedrigste wähle
Eine niedrige Franchise fühlt sich sicher an, hat aber ihren Preis: Die Prämie ist höher. Eine hohe Franchise senkt die Prämie, verlangt aber, dass im Krankheitsjahr ein größerer Betrag zuerst selbst gezahlt wird. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie oft jemand Leistungen braucht, wie viel Reserve auf dem Konto liegt und wie planbar die kommenden Monate sind.
Die Wahl ist also eine Abwägung zwischen monatlicher Entlastung und möglichem Einmalbetrag. Eine persönliche Empfehlung gebe ich hier nicht ab; wie die Rechnung für eine bestimmte Lebenssituation ausfällt, klärt ein Spezialist in der Beratung nach der Anfrage.
Ein Gedankenspiel statt einer Rechnung
Ich stelle mir drei Situationen vor: ein Jahr ohne Arztbesuch, ein Jahr mit einer kleineren Behandlung und ein Jahr mit einem Krankenhausaufenthalt. In jedem Fall vergleiche ich, wie viel ich über die Prämie gespart und wie viel ich an Franchise und Selbstbehalt gezahlt hätte. Die Zahlen setze ich selbst aus den Prämientabellen der Kassen ein. Das Gedankenspiel zeigt mir, ob ich eher der Typ bin, der Planungssicherheit sucht, oder der, der auf ein gesundes Jahr setzt.
Prämien als Ordnungsgröße
Die Prämien unterscheiden sich nach Kasse, Kanton, Altersgruppe, Franchise und Modell. Für die Orientierung zur Höhe der Beiträge dient Was die Krankenkasse kostet; die Zahlen dort sind als Größenordnung gedacht, nicht als Angebot. Wie die Kosten in das Gesamtbudget passen, zeigt Was mich der Umzug in die Schweiz kostet.
Die Versicherungsmodelle
Neben der Franchise bestimmt das Modell, wie ich medizinische Leistungen in Anspruch nehme. Alle Modelle decken dieselben Leistungen der Grundversicherung ab. Der Unterschied liegt im Zugang, und als Gegenleistung für einen eingeschränkten Zugang gibt es einen Prämienrabatt.
- Standardmodell: freie Arztwahl, keine Vorgaben, dafür die höchste Prämie.
- Hausarztmodell: Der erste Anlaufpunkt ist eine feste Hausarztpraxis, die bei Bedarf an Fachärzte überweist. Mehr dazu unter Hausärztin oder Hausarzt finden.
- HMO-Modell: Ich gehe zuerst in ein bestimmtes Gesundheitszentrum (Health Maintenance Organization), das die Behandlung koordiniert.
- Telemedizin-Modell (Telmed): Vor dem Arztbesuch rufe ich eine medizinische Hotline an oder nutze eine App; erst danach wird entschieden, ob ein Termin nötig ist.
Franchise und Modell kombinieren
Franchise und Modell sind zwei getrennte Regler. Eine hohe Franchise lässt sich mit dem Standardmodell kombinieren, eine niedrige mit einem Hausarztmodell, und jede andere Mischung ist möglich. Beide Stellschrauben senken die Prämie, aber auf unterschiedliche Weise: Die Franchise verlagert Kosten auf mich, das Modell steuert meinen Weg ins Gesundheitssystem.
Was sich im Alltag ändert
Beim Hausarzt-, HMO- und Telmed-Modell gilt eine Regel: Wer den vorgesehenen ersten Schritt auslässt, riskiert, dass die Kasse Leistungen nicht oder nur teilweise übernimmt. Notfälle sind davon üblicherweise ausgenommen; die genauen Bedingungen stehen in den Versicherungsbedingungen der jeweiligen Kasse.
Wer viel unterwegs ist, etwa zwischen Wohnort und Heimat pendelt, sollte vorab mit der Kasse klären, wie das Modell zu diesem Alltag passt. Bei Kindern, Schwangerschaft und Geburt gelten Besonderheiten, die ich unter Schwanger in der Schweiz zusammengefasst habe.
Die Fristen beim Start
Die Grundversicherung ist innerhalb von drei Monaten nach der Wohnsitznahme abzuschließen (BAG). Wird die Frist eingehalten, gilt die Deckung rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Wohnsitznahme, und die Prämien sind rückwirkend geschuldet. Wird sie überschritten, beginnt die Deckung erst mit dem Beitritt, ein Prämienzuschlag bei nicht entschuldbarer Verspätung ist möglich, und die kantonale Behörde kann der Person eine Kasse zuweisen.
Wer aus dem Ausland kommt, hat die Wahl von Franchise und Modell also nur dann selbst in der Hand, wenn rechtzeitig abgeschlossen wird. Bei der Anmeldung in der Gemeinde, die in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Ankunft erfolgt, wird zudem ein Nachweis der Krankenversicherung verlangt; Einzelheiten hängen von Gemeinde und Kanton ab.
Meine Checkliste vor dem Abschluss
- Prämienvergleich für meinen künftigen Wohnort und Kanton ansehen
- Franchisestufen mit der Rücklage auf meinem Konto abgleichen
- Prüfen, ob in den nächsten Monaten planbare Behandlungen anstehen
- Modell prüfen: Gibt es in meiner Nähe eine passende Hausarztpraxis oder ein HMO-Zentrum?
- Bei Familien: Franchise für jedes Familienmitglied einzeln betrachten
- Offene Fragen zu Kündigungs- und Wechselfristen bei der Kasse notieren
- Unterschied zwischen Grund- und Zusatzversicherung klären
- Nachweis der Versicherung für die Gemeindeanmeldung bereithalten
Wie es von Deutschland oder Österreich aus aussieht
In Deutschland und Österreich ist die Beitragsberechnung meist an das Einkommen gekoppelt. In der Schweiz zahlt jede erwachsene Person ihre eigene Prämie, unabhängig vom Gehalt. Der Preis hängt von Kasse, Region, Alter, Franchise und Modell ab. Eine Mitversicherung nicht berufstätiger Familienmitglieder wie zu Hause gibt es nicht; jede Person braucht ihre eigene Police. Wer zwischen den Ländern abwägt, findet einen Überblick unter Schweiz oder Österreich.
Ob EU-Bürger oder Staatsangehörige eines Drittstaats: Die Pflicht zur Grundversicherung gilt für alle, die in der Schweiz wohnen. Unterschiede im Aufenthaltsrecht ändern daran nichts, auch wenn das Verfahren je nach Aufenthaltsstatus abweichen kann. Bei Entsendungen durch den Arbeitgeber helfen die Hinweise unter Mein Arbeitgeber schickt mich.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die ordentliche Franchise?
Für Erwachsene beträgt die ordentliche Franchise CHF 300 pro Jahr (BAG). Für Kinder entfällt sie.
Welche Wahlfranchisen gibt es für Erwachsene?
Es gibt CHF 500, CHF 1'000, CHF 1'500, CHF 2'000 und CHF 2'500 (BAG). Je höher die gewählte Stufe, desto höher der Rabatt auf die Prämie.
Muss ich die Franchise beim Einzug sofort wählen?
Die Wahl fällt beim Abschluss der Grundversicherung an. Da die Versicherung innerhalb von drei Monaten nach Wohnsitznahme abzuschließen ist (BAG), lohnt sich die Vorbereitung schon vor der Ankunft.
Kann ich die Franchise später ändern?
In der Regel ja, doch für Änderungen gelten Fristen. Welche das sind und wie sich eine Senkung von einer Erhöhung unterscheidet, teilt die jeweilige Kasse mit.
Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Selbstbehalt?
Die Franchise ist ein fester Jahresbetrag, den ich zuerst selbst zahle. Der Selbstbehalt ist ein prozentualer Anteil, der danach weiterläuft, bis eine Obergrenze erreicht ist.
Lohnt sich die höchste Franchise immer?
Nein. Sie senkt die Prämie, erhöht aber den Betrag, den ich im Behandlungsjahr zuerst selbst trage. Ob sich das lohnt, hängt von der persönlichen Situation ab.
Gilt die Franchise auch für Kinder?
Für Kinder gibt es keine ordentliche Franchise. Wahlfranchisen für Kinder bestehen in eigenen, niedrigeren Stufen; die Details nennt die Kasse.
Was passiert bei Schwangerschaft und Geburt?
Für Leistungen bei Mutterschaft gelten besondere Regeln zur Kostenbeteiligung. Eine Zusammenfassung steht unter Schwanger in der Schweiz.
Ist die Grundversicherung bei allen Kassen gleich?
Der Leistungskatalog ist gesetzlich festgelegt und gilt für alle. Unterschiede bestehen bei Prämie, Modellen und Service.
Was ist ein Hausarztmodell?
Dabei ist eine Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle und überweist bei Bedarf weiter. Dafür gibt es einen Prämienrabatt.
Was bedeutet HMO?
HMO steht für Health Maintenance Organization. Das ist ein Gesundheitszentrum, das die Behandlung koordiniert und bei dem ich zuerst vorspreche.
Wie funktioniert das Telmed-Modell?
Vor einer Konsultation nehme ich telefonisch oder per App Kontakt zu einem Beratungsdienst auf. Dieser entscheidet, ob ein Arztbesuch nötig ist.
Gelten Notfälle im Hausarzt- oder Telmed-Modell?
Notfälle sind üblicherweise von der Vorgabe ausgenommen. Die genauen Bedingungen stehen in den Versicherungsbedingungen.
Sind alle Modelle in jedem Kanton verfügbar?
Nein. Das Angebot hängt vom Wohnort ab. Gerade HMO-Zentren gibt es nicht überall.
Kann ich Franchise und Modell frei kombinieren?
Grundsätzlich ja. Franchise und Modell sind getrennte Entscheidungen, auch wenn nicht jede Kombination bei jeder Kasse gleich angeboten wird.
Was passiert, wenn ich die Dreimonatsfrist verpasse?
Die Deckung beginnt dann erst mit dem Beitritt. Ein Prämienzuschlag bei nicht entschuldbarer Verspätung ist möglich, und die kantonale Behörde kann eine Kasse zuweisen (BAG).
Gilt die Deckung rückwirkend?
Bei Einhaltung der Frist ja: Sie gilt ab der Wohnsitznahme, die Prämien sind rückwirkend geschuldet (BAG).
Brauche ich den Versicherungsnachweis für die Gemeinde?
Bei der Anmeldung wird in der Regel ein Nachweis der Krankenversicherung verlangt; die Frist von 14 Tagen kann je nach Gemeinde abweichen.
Ist die Zusatzversicherung Pflicht?
Nein, sie ist freiwillig und von der Grundversicherung getrennt. Mehr dazu unter Zusatzversicherungen.
Gibt es Unterschiede für EU-Bürger und Drittstaatsangehörige?
Die Versicherungspflicht gilt für alle mit Wohnsitz in der Schweiz. Das Verfahren kann je nach Aufenthaltsstatus verschieden sein.
Gibt es Unterstützung bei hohen Prämien?
Die Kantone kennen Prämienverbilligungen. Wer Anspruch hat, richtet sich nach dem Kanton; die kantonale Stelle gibt Auskunft.
Wo sehe ich die aktuellen Durchschnittsprämien?
Offizielle Angaben stehen bei ch.ch zu den Prämien der Krankenkasse; eine Einordnung bietet Was die Krankenkasse kostet.
Wer rechnet meine persönliche Franchise durch?
Eine individuelle Beurteilung ist eine Aufgabe für Spezialisten. Über die Anfrage am Seitenende kann ich eine Vermittlung anstoßen.
