Wenn ich mir vorstelle, in Bern zu leben, sehe ich keine Hochhäuser und keine Hektik, sondern eine Altstadt mit Arkaden, einen Fluss, in dem man im Sommer schwimmt, und eine Stadt, in der viele Menschen für die Verwaltung des Landes arbeiten. Wer wie ich noch nie dort gewohnt hat, fragt sich vor allem: Wie ist der Alltag, was kostet das Wohnen, und was erwartet mich in den ersten Tagen? Genau diese Fragen gehe ich hier der Reihe nach durch.
Wo Bern liegt und welche Sprache dort gilt
Bern ist die Bundesstadt der Schweiz, also der Sitz von Regierung und Parlament, und zugleich Hauptort des gleichnamigen Kantons. Die Stadt liegt im deutschsprachigen Teil. Der Kanton Bern selbst ist offiziell zweisprachig, mit Französisch und Deutsch (Präsenz Schweiz, EDA). Für mich als Deutschsprachige ist das beruhigend: In der Stadt Bern verständigt man sich auf Hochdeutsch, auch wenn der Alltag überwiegend im Berner Dialekt stattfindet.
Dieser Dialekt ist langsam und melodisch, am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber nach ein paar Wochen versteht man das meiste. Geschrieben wird überall Hochdeutsch, nur ohne ß: Die Schweiz schreibt konsequent „ss“. Auf Formularen und Schildern stolpere ich also über nichts.
Wie sich der Alltag anfühlt
Bern gilt als gemütlich. Die Altstadt mit ihren Lauben (überdachten Arkadengängen) ist Fußgängerzone und Einkaufsmeile zugleich, die Aare umfließt die Stadt in einer großen Schleife, und viele Wege lassen sich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Wer aus einer deutschen oder österreichischen Großstadt kommt, spürt den Unterschied sofort: weniger Lärm, mehr Ruhe am Abend.
Weil hier die Bundesverwaltung sitzt, prägen Beamte, Diplomatinnen und Mitarbeitende von Verbänden das Stadtbild. Das macht die Stadt weniger wild als Zürich, aber verlässlich. Wer ein internationaleres, schnelleres Umfeld sucht, findet es eher in Zürich; wer Rhein und drei Länder vor der Tür möchte, schaut nach Basel.
Die Zahlen zeigen die Größe: 2025 lebten in Bern 138'562 Menschen ständig in der Stadt (BFS). Davon waren 35'896 Ausländerinnen und Ausländer, das sind 25,9 % (BFS). Ich werde dort also nicht die Einzige sein, die neu ist.
138'562 Personen
Ständige Wohnbevölkerung 2025
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS)
35'896 Personen (25,9 %)
Ausländische Bevölkerung 2025
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS)
CHF 1'413 pro Monat
Mittlere Nettomiete in der Stadt, alle Wohnungsgrößen
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), 2022-2024
CHF 1'319 pro Monat
Mittlere Nettomiete im Kanton Bern, alle Wohnungsgrößen
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), 2024
Quartiere und Umgebung: eine erste Orientierung
Ich kenne Bern noch nicht aus eigener Erfahrung, deshalb ordne ich die Stadt grob nach Charakter. Die Innenstadt mit Altstadt ist das touristische und politische Zentrum. Rund um den Bahnhof und in den angrenzenden Vierteln liegen viele Büros. Auf der anderen Seite der Aare, am Hang und in den ruhigeren Wohnvierteln, ist es grüner und familiärer. Am Stadtrand und in den Nachbargemeinden (Gemeinde heißt: die kleinste politische Einheit, bei der man sich anmeldet) wird es dörflicher.
Welche Lage zu mir passt, hängt von Arbeitsweg, Schule und Budget ab. Beim Besichtigen lohnt es sich, einmal zur Hauptverkehrszeit hinzufahren und zu prüfen, wie der Weg wirklich aussieht. Ein Vergleich mehrerer Städte hilft dabei; mein Städtevergleich ist für genau diesen Schritt gedacht.
Wohnen: was ich über den Markt weiß
Der Mietmarkt ist der Punkt, an dem Neuankömmlinge am meisten staunen. Nach den Daten des Bundesamts für Statistik lag die mittlere Nettomiete (ohne Nebenkosten) in der Stadt Bern über alle Wohnungsgrößen bei CHF 1'413 pro Monat (BFS, Durchschnitt 2022-2024). Für den Kanton Bern insgesamt waren es CHF 1'319 (BFS, 2024). Die Stadt liegt also etwas über dem Kantonsniveau, wie man es von einer Hauptstadt erwarten würde.
Nach Größe aufgeschlüsselt sieht das so aus:
Zum Beispiel lag eine Dreizimmerwohnung in der Stadt im Mittel bei CHF 1'421 (BFS). Bei sehr großen Wohnungen sind die Werte weniger genau, weil es dort wenige Fälle gibt. Es sind Durchschnitte, keine Angebote: Eine Wohnung, die gerade inseriert ist, kann deutlich darüber oder darunter liegen.
Wichtig für die Suche: Im Kanton Bern standen am 1. Juni 2026 nur 1,04 % der Wohnungen leer (BFS). Für die Stadt selbst habe ich keine geprüfte Zahl und lasse sie deshalb offen. Ein knapper Markt bedeutet in der Praxis, dass man ein vollständiges Bewerbungsdossier bereithält. Was darin gehört, steht im Mietdossier-Check. Wer die Suche lieber begleiten lässt, findet die Möglichkeiten unter Wohnungssuche mit Begleitung.
Mieten läuft in der Schweiz oft über eine Verwaltung (Immobilienverwaltung, in der Romandie „régie“). Zum Mietvertrag gehört meist eine Mietkaution, die auf einem gesperrten Konto liegt. Die genauen Regeln dazu hängen vom Vertrag und vom Kanton ab; ein Spezialist prüft den konkreten Vertrag, bevor man unterschreibt.
Schule und Kinder
Für Familien ist Bern mit den öffentlichen Schulen in der Regel gut aufgestellt, und die Schule ist deutschsprachig. Das erleichtert Kindern aus Deutschland oder Österreich den Einstieg, auch wenn Dialekt und Schulsystem zunächst fremd sind. Welche Schule zuständig ist, entscheidet in der Regel die Wohngemeinde; deshalb lohnt es sich, Wohnort und Schulweg gemeinsam zu denken.
Zu internationalen Schulen kann ich hier keine geprüfte Liste nennen. Wer das Thema im Blick hat, fragt beim Kanton nach, bevor die Wohnungswahl feststeht. Eine Entscheidungshilfe gibt der Schulwahl-Check.
Verkehr und Wege
Bern ist klein genug, dass vieles zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus und Tram geht. Zu Flughafenanbindung, Fahrzeiten und Abonnements nenne ich bewusst keine Angaben, weil ich sie nicht geprüft habe. Am besten ist es, die Fahrpläne und Tarife der Bahn und der lokalen Verkehrsbetriebe vor der Wohnungswahl selbst anzusehen und die Wege zur Arbeit durchzuspielen.
Behörden: das Amt für Migration
Für Menschen, die aus Deutschland oder Österreich ankommen, ist die Gemeinde die erste Anlaufstelle für die Anmeldung. Für Fragen zum Aufenthalt ist im Kanton das Amt für Migration und Personenstand (MIP) zuständig. Informationen und Kontaktwege stehen auf der Seite des Amts für Migration und Personenstand. Welche Bewilligung für wen gilt, ist eine Frage der Staatsangehörigkeit und des Zwecks; einen ersten Überblick gibt das Werkzeug Welche Bewilligung?. Entscheiden tun allein die Behörden.
Meine ersten Tage vor Ort
So stelle ich mir den Start vor, als Liste zum Abhaken:
- Wohnung oder Zwischenlösung für die erste Zeit sichern
- Mietvertrag und Kautionsregelung in Ruhe lesen
- Bei der Gemeinde anmelden und die geforderten Unterlagen mitbringen
- Beim Amt für Migration klären, ob und welche Bewilligung nötig ist
- Einen Termin für die Krankenversicherung vereinbaren
- Ein Bankkonto eröffnen
- Schulweg und Betreuung der Kinder abklären
- Einen Spaziergang durch die Altstadt und an der Aare machen, um anzukommen
Den zeitlichen Ablauf plane ich mit dem Umzugskalender. Wer sich Unterstützung wünscht, kann das in der Anfrage unten auf der Seite angeben.
Häufige Fragen
Welche Sprache spricht man in Bern?
In der Stadt Bern wird Deutsch gesprochen, im Alltag meist Berner Dialekt, schriftlich Hochdeutsch. Der Kanton ist offiziell zweisprachig, Französisch und Deutsch (Präsenz Schweiz, EDA).
Ist Bern für Deutsche und Österreicher leicht zum Ankommen?
Sprachlich ja, weil man sich auf Hochdeutsch verständigen kann. Etwas Zeit braucht der Dialekt, und manche Abläufe sind anders als zu Hause.
Wie viele Menschen leben in Bern?
2025 waren es 138'562 Personen in der ständigen Wohnbevölkerung (BFS).
Wie hoch ist der Ausländeranteil?
Er lag 2025 bei 25,9 %, das entspricht 35'896 Personen (BFS).
Was kostet eine Wohnung in Bern ungefähr?
Die mittlere Nettomiete aller Wohnungsgrößen lag in der Stadt bei CHF 1'413 pro Monat (BFS, 2022-2024). Das ist ein Durchschnitt, kein Angebotspreis.
Ist Bern teurer als der Kanton?
Beim Durchschnitt ja: CHF 1'413 in der Stadt gegenüber CHF 1'319 im Kanton (BFS, 2022-2024 beziehungsweise 2024). Die Werte stammen aus verschiedenen Erhebungszeiträumen.
Ist es schwer, in Bern eine Wohnung zu finden?
Im Kanton Bern waren am 1. Juni 2026 nur 1,04 % der Wohnungen unbesetzt (BFS). Ein vollständiges Dossier ist deshalb hilfreich. Für die Stadt selbst nenne ich keine Zahl.
Was ist die Nettomiete?
Die Miete ohne Nebenkosten wie Heizung und Wasser. Im Vertrag steht die Nettomiete meist getrennt von den Nebenkosten.
Welches Amt ist für Aufenthaltsfragen zuständig?
Im Kanton Bern das Amt für Migration und Personenstand (MIP). Ob und welche Bewilligung gilt, hängt vom Einzelfall ab, und die Behörde entscheidet.
Gibt es internationale Schulen in Bern?
Dazu habe ich keine geprüfte Auskunft. Ich würde beim Kanton nachfragen, bevor ich mich für eine Wohnung entscheide.
Wie komme ich in Bern ohne Auto zurecht?
Die Stadt ist überschaubar, und vieles lässt sich zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Verkehr erreichen. Genaue Verbindungen und Tarife prüfe ich vorab bei den Verkehrsbetrieben.
Wo finde ich weitere Städte zum Vergleich?
Die Übersicht Meine Stadt in der Schweiz führt zu allen Städten, darunter Luzern und Lausanne.
Quellen
- Präsenz Schweiz (EDA), Mehrsprachigkeit
- Bundesamt für Statistik (BFS), Ständige Wohnbevölkerung
- Bundesamt für Statistik (BFS), Mieten der zehn grössten Städte
- Bundesamt für Statistik (BFS), Mieten nach Kanton
- Bundesamt für Statistik (BFS), Leerwohnungen nach Kanton
- Staatssekretariat für Migration (SEM), kantonale Migrationsbehörden
